Heinrich
04.03.2008, 13:33
Was C-Prominente des deutschen Fernsehens im Dschungel-Camp spielen, gibt es in Wirklichkeit tatsächlich: Menschen, die isoliert von der Außenwelt im Urwald leben. In Peru zählen dazu kleinere Gruppen des Volkes der Cacataibo, die im Gebiet der Blauen Kordillere im Amazonasgebiet nahe der brasilianischen Grenze siedeln. Die Mehrheit der Cacataibos ist jedoch schon lange mit der westlich geprägten Kultur in Kontakt gekommen.Anzeige
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http://a.ads.t-online.de/dat/bgf/200702/09/pixel.gif"Lebensraum stark gefährdet"
Die anderen jedoch, die noch gänzlich unberührt von dieser Kultur sind, werden von Ölsuchern und Holzfällern immer weiter in die Enge getrieben. "Unsere Brüder sind dort in Gruppen zusammen, circa 20 Familien mit je etwa 20 Mitgliedern. Ihr Lebensraum ist stark gefährdet, denn in der Region gibt es Erdöl- und Erdgasvorkommen", sagt Edith Bolívar vom Verband der indigenen Gemeinschaft Cacataibo (FENACOCA). Und an diesen Bodenschätzen sind der peruanische Staat und das kanadische Erdöl-Unternehmen Petrolifera Petroleum Limited in Calgary interessiert."Wir werden weitersuchen"
Deren Arbeiter dringen auf der Suche nach Öl- und Gasvorkommen seit Juli vergangenen Jahres in die traditionellen Siedlungsgebiete der Cacataibo vor. Arbeiter schlagen Schneisen in den Urwald. Richard Gusella, Vorstandsvorsitzender von Petrolifera, findet dieses Vorgehen jedoch nicht problematisch. "Es weiß doch niemand, ob dort überhaupt isolierte Gruppen leben. Die Menschenrechtsgruppen behaupten das zwar, aber sie haben doch auch seit Jahren keine mehr gesehen". Alle Arbeiter seien dennoch für das Thema "sensibilisiert", sagt Gusella. Offen lässt er, wie sie auf das jederzeit mögliche Zusammentreffen mit Cacataibos vorbereitet wären. "Außerdem haben wir eine Lizenz der Regierung, und so werden wir weitersuchen", setzt Gusella hinzu.Hinweise auf isoliert lebende Ureinwohner
Die Nichtregierungsorganisation IBC in der Hauptstadt Lima hat 2002 gemeinsam mit FENACOCA eine Studie veröffentlicht, die insgesamt 109 Hinweise auf isoliert lebende Cacataibos enthält. "Natürlich können wir nicht direkt mit ihnen Kontakt aufnehmen, denn sobald sie uns auch nur hören, fliehen sie schon", räumt Bolívar ein.Vermuteter Wohnplatz gefunden
Erst Mitte Februar hatte die Nichtregierungsorganisation Survival International den Verdacht geäußert, Arbeiter von Petrolifera seien auf einen Wohnplatz der isolierten Cacataibos gestoßen. Gusella dementiert dies jedoch. "Es handelte sich nur um Zeichen an Bäumen. Die wurden überprüft, und sie haben nichts mit den Cacataibos zu tun", winkt der Kanadier ab. Das sieht Bolívar ganz anders. Mit einer Expeditionsgruppe, an der Vertreter vom FENACOCA, vom Nationalen Institut für indigene Völker und vom Ministerium für Energie und Bergbau teilnahmen, hat sie den vermuteten Wohnplatz untersucht.Cacataibos sind Nomaden
"Wir fanden zwei Bäume, in die X-förmige Zeichnungen mit einem Pfeil geritzt sind. Das heißt, unsere Brüder waren dort, denn dieses Zeichen steht bei uns für Berge, Täler und Wege. Diese Form verwenden wir auch auf unserer Kleidung und Keramik", erzählt Bolivar nach der Rückkehr. Scheinbar seien die isoliert lebenden Gruppen gerade in den höher gelegenen Regionen der Kordillere. Denn die Nomaden ziehen mit den Jahreszeiten um. Im Winter der Südhalbkugel, wenn es stark regnet, gehen sie in die Berge, im Sommer kommen sie zum Fischen an die Flüsse im Tiefland.
Vorbeugende Maßnahmen
Um diesen Lebensraum zu erhalten, wandte sich das IBC im Dezember 2007 an die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte. Sie forderten die Kommission auf, sich bei der peruanischen Regierung für vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Cacataibos einzusetzen. "Die Anfrage ist von der Kommission zwar nach Lima weitergegeben worden, aber bisher warten wir noch auf Antwort", sagt Carlos Soria vom IBC.
"Ureinwohner seien erfunden"
Der Rechtsanwalt macht sich jedoch keine Illusionen, wie die Antwort aussehen wird. "Die peruanische Regierung sieht in der indigenen Bevölkerung und den Nichtregierungsorganisationen Gegner. Sie werfen uns sogar vor, dass wir die isolierten Cacataibos nur erfunden hätten, um unsere Arbeit zu rechtfertigen", ärgert sich Soria.
http://nachrichten.t-online.de/c/14/40/75/00/14407500.html
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Die anderen jedoch, die noch gänzlich unberührt von dieser Kultur sind, werden von Ölsuchern und Holzfällern immer weiter in die Enge getrieben. "Unsere Brüder sind dort in Gruppen zusammen, circa 20 Familien mit je etwa 20 Mitgliedern. Ihr Lebensraum ist stark gefährdet, denn in der Region gibt es Erdöl- und Erdgasvorkommen", sagt Edith Bolívar vom Verband der indigenen Gemeinschaft Cacataibo (FENACOCA). Und an diesen Bodenschätzen sind der peruanische Staat und das kanadische Erdöl-Unternehmen Petrolifera Petroleum Limited in Calgary interessiert."Wir werden weitersuchen"
Deren Arbeiter dringen auf der Suche nach Öl- und Gasvorkommen seit Juli vergangenen Jahres in die traditionellen Siedlungsgebiete der Cacataibo vor. Arbeiter schlagen Schneisen in den Urwald. Richard Gusella, Vorstandsvorsitzender von Petrolifera, findet dieses Vorgehen jedoch nicht problematisch. "Es weiß doch niemand, ob dort überhaupt isolierte Gruppen leben. Die Menschenrechtsgruppen behaupten das zwar, aber sie haben doch auch seit Jahren keine mehr gesehen". Alle Arbeiter seien dennoch für das Thema "sensibilisiert", sagt Gusella. Offen lässt er, wie sie auf das jederzeit mögliche Zusammentreffen mit Cacataibos vorbereitet wären. "Außerdem haben wir eine Lizenz der Regierung, und so werden wir weitersuchen", setzt Gusella hinzu.Hinweise auf isoliert lebende Ureinwohner
Die Nichtregierungsorganisation IBC in der Hauptstadt Lima hat 2002 gemeinsam mit FENACOCA eine Studie veröffentlicht, die insgesamt 109 Hinweise auf isoliert lebende Cacataibos enthält. "Natürlich können wir nicht direkt mit ihnen Kontakt aufnehmen, denn sobald sie uns auch nur hören, fliehen sie schon", räumt Bolívar ein.Vermuteter Wohnplatz gefunden
Erst Mitte Februar hatte die Nichtregierungsorganisation Survival International den Verdacht geäußert, Arbeiter von Petrolifera seien auf einen Wohnplatz der isolierten Cacataibos gestoßen. Gusella dementiert dies jedoch. "Es handelte sich nur um Zeichen an Bäumen. Die wurden überprüft, und sie haben nichts mit den Cacataibos zu tun", winkt der Kanadier ab. Das sieht Bolívar ganz anders. Mit einer Expeditionsgruppe, an der Vertreter vom FENACOCA, vom Nationalen Institut für indigene Völker und vom Ministerium für Energie und Bergbau teilnahmen, hat sie den vermuteten Wohnplatz untersucht.Cacataibos sind Nomaden
"Wir fanden zwei Bäume, in die X-förmige Zeichnungen mit einem Pfeil geritzt sind. Das heißt, unsere Brüder waren dort, denn dieses Zeichen steht bei uns für Berge, Täler und Wege. Diese Form verwenden wir auch auf unserer Kleidung und Keramik", erzählt Bolivar nach der Rückkehr. Scheinbar seien die isoliert lebenden Gruppen gerade in den höher gelegenen Regionen der Kordillere. Denn die Nomaden ziehen mit den Jahreszeiten um. Im Winter der Südhalbkugel, wenn es stark regnet, gehen sie in die Berge, im Sommer kommen sie zum Fischen an die Flüsse im Tiefland.
Vorbeugende Maßnahmen
Um diesen Lebensraum zu erhalten, wandte sich das IBC im Dezember 2007 an die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte. Sie forderten die Kommission auf, sich bei der peruanischen Regierung für vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Cacataibos einzusetzen. "Die Anfrage ist von der Kommission zwar nach Lima weitergegeben worden, aber bisher warten wir noch auf Antwort", sagt Carlos Soria vom IBC.
"Ureinwohner seien erfunden"
Der Rechtsanwalt macht sich jedoch keine Illusionen, wie die Antwort aussehen wird. "Die peruanische Regierung sieht in der indigenen Bevölkerung und den Nichtregierungsorganisationen Gegner. Sie werfen uns sogar vor, dass wir die isolierten Cacataibos nur erfunden hätten, um unsere Arbeit zu rechtfertigen", ärgert sich Soria.
http://nachrichten.t-online.de/c/14/40/75/00/14407500.html